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„Wir freuen uns auf den Crash“: Anne Schwedt über Chancen bei fallenden Kursen

Steigende Kurse fühlen sich gut an, stärkere Rückgänge dagegen lösen bei vielen Anlegern schnell Unsicherheit aus. Gerade wer sein Vermögen langfristig in Aktien investiert, steht dann vor der Frage, ob er handeln, verkaufen oder einfach abwarten sollte. Wall-Street-Expertin Anne Schwedt verfolgt einen anderen Ansatz: Sie bereitet sich bereits vor turbulenten Börsenphasen darauf vor, vorhandene Aktien und freie Liquidität gezielt einzusetzen. Welche Rolle gedeckte Optionsgeschäfte dabei spielen und warum höhere Schwankungen auch höhere Prämien ermöglichen können, erfahren Sie hier.

Solange das Depot wächst, gibt es für viele Anleger wenig Anlass, die eigene Strategie infrage zu stellen. Schwieriger wird es, wenn die Kurse deutlich nachgeben und aus dem gewohnten Aufwärtstrend eine stärkere Korrektur wird. Zwar gehören solche Schwankungen zur Börse und bedeuten nicht automatisch, dass die langfristige Investmentidee nicht mehr trägt. Doch mit jedem weiteren Minus im Depot wächst häufig der Druck, etwas tun zu müssen. Was zuvor als langfristige Strategie feststand, wird plötzlich neu bewertet, Entscheidungen werden unter Unsicherheit getroffen und die eigenen Regeln geraten in den Hintergrund. „Wenn Anleger in einer starken Korrektur aus Angst verkaufen, obwohl sich an ihrer langfristigen Investmentidee nichts geändert hat, kann aus der normalen Schwankung eine echte Fehlentscheidung werden“, erklärt Wall-Street-Expertin Anne Schwedt.

„Umso wichtiger ist es, bereits vor einer Korrektur festzulegen, wie man mit unterschiedlichen Marktphasen umgehen möchte“, erklärt Anne Schwedt.

Sie selbst setzt dafür auf Qualitätsaktien und gedeckte Optionsgeschäfte: Bereits in ruhigeren Börsenphasen legt Anne Schwedt fest, welche Unternehmen sie grundsätzlich besitzen möchte und wie sie vorhandene Aktien sowie freie Liquidität einsetzen kann. Ihre Herangehensweise beruht auf eigener Börsenerfahrung. Anne Schwedt arbeitete selbst an der Wall Street, lernte direkt am Börsenfloor von professionellen Tradern und erprobte anschließend unterschiedliche Formen der Geldanlage. Heute investiert sie mehr als 90 Prozent ihres eigenen Vermögens nach der daraus entwickelten Strategie, die langfristig gehaltene Qualitätsaktien mit gedeckten Optionsverkäufen verbindet. Was Anne Schwedt über Jahre selbst erprobt hat, vermittelt sie inzwischen auch privaten Anlegern im deutschsprachigen Raum: in Live-Workshops, einem mehrwöchigen Mentoring und einer begleitenden Community.

Anne Schwedt: Wenn fallende Kurse neue Möglichkeiten eröffnen

Was viele Anleger zunächst beunruhigt, kann zugleich neue Möglichkeiten eröffnen. Genau darin liegt der Gedanke hinter „Wir freuen uns auf den Crash“: Es geht nicht darum, auf fallende Kurse zu hoffen, sondern darum, vorbereitet zu sein, stärkere Schwankungen für die eigene Strategie zu nutzen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Volatilität. Dabei gilt: Je stärker die erwarteten Kursschwankungen ausfallen, desto höher können auch die Prämien sein, die Käufer für Optionen zu zahlen bereit sind.

Anne Schwedt

Diese Prämien bilden die Grundlage dessen, was Anne Schwedt als „Aktien vermieten“ bezeichnet. Ähnlich wie eine Immobilie im Besitz bleiben und gleichzeitig Mieteinnahmen erwirtschaften kann, bleiben ausgewählte Qualitätsaktien grundsätzlich Teil des Depots, während bestimmte Rechte daran zeitlich begrenzt gegen eine Optionsprämie vergeben werden. 

So verändert sich die Strategie im Verlauf eines Crashs

Die Vorbereitung auf fallende Kurse beginnt bereits lange bevor eine stärkere Korrektur tatsächlich eintritt. Welche Unternehmen grundsätzlich für einen Kauf infrage kommen und zu welchen Preisen ein Einstieg interessant wäre, wird schon vorher festgelegt. Damit steht auch bereits fest, wie das vorhandene Kapital eingesetzt werden soll, wenn die Kurse tatsächlich nachgeben.

Vor dem Crash:

Wer auf deutlich günstigere Einstiegskurse bei ausgewählten Qualitätsaktien wartet, muss sein dafür vorgesehenes Kapital nicht untätig liegen lassen. Über Cash Secured Puts legt der Anleger bereits vorher fest, zu welchem Preis er bereit wäre, die jeweilige Aktie zu kaufen, und hält das dafür notwendige Kapital vollständig bereit. Für diese Kaufverpflichtung erhält er eine Optionsprämie. Anne Schwedt vergleicht das mit einer Art „Rabatt-Coupon“, für den man bezahlt wird: Statt lediglich auf einen günstigeren Einstieg zu warten, wird bereits die Bereitschaft zum Kauf vergütet.

Im Crash:

Erreicht die Aktie während eines stärkeren Kursrückgangs den zuvor festgelegten Preis, kann sie ins Depot eingebucht werden. Damit wird die Kaufentscheidung nicht erst unter dem Eindruck stark sinkender Kurse getroffen: Unternehmen und Einstiegspreis standen bereits vorher fest, die notwendige Liquidität wurde bereitgehalten und für die Kaufverpflichtung sind zuvor Prämien geflossen. Das schützt allerdings nicht davor, dass der Kurs anschließend noch weiter fällt. In diesem Fall bleibt die Verpflichtung bestehen und die Aktie kann trotzdem zum zuvor festgelegten höheren Preis übernommen werden. „Deshalb kommen für mich nur Unternehmen infrage, die ich ohnehin langfristig besitzen möchte“, erklärt Anne Schwedt. Ungedeckte Optionen verkauft die Wall-Street-Expertin grundsätzlich nicht.

Nach dem Crash:

Ist die Aktie auf diese Weise ins Depot gelangt, ändert sich ihre Rolle innerhalb der Strategie. Nun kann sie über Covered Calls eingesetzt werden. Dabei räumt der Anleger einem Optionskäufer für einen begrenzten Zeitraum das Recht ein, seine Aktien zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Als Gegenleistung erhält er eine Optionsprämie. Bleibt der Kurs unter diesem Preis, verbleiben Aktien und Prämie grundsätzlich beim Anleger. Steigt die Aktie dagegen darüber, kann sie zum vereinbarten Preis abgegeben werden. Weitere Kursgewinne oberhalb dieses Niveaus entgehen dem Anleger dann mit den abgegebenen Aktien.

Warum fallende Kurse die Strategie nicht automatisch ausbremsen

Aus diesem Zusammenspiel ergibt sich ein anderer Umgang mit fallenden Märkten. Zwar belasten sinkende Aktienkurse auch bei dieser Strategie weiterhin den Depotwert. Dennoch können die vereinnahmten Optionsprämien einen Teil dieser Belastung abfedern. Ein Covered Call verhindert den Kursverlust der gehaltenen Aktie also nicht, schafft durch die Prämie aber einen Puffer, den ein reiner Buy-and-Hold-Anleger in derselben Situation nicht hat.

Gleichzeitig können stärkere Rückgänge bei Aktien, die noch nicht im Depot liegen, genau jene Einstiegskurse erreichen, die bereits im Vorfeld festgelegt wurden. Der Ansatz ist deshalb nicht darauf ausgerichtet, unabhängig von der Marktentwicklung automatisch Gewinne zu erzielen. Vielmehr verbindet er zwei Möglichkeiten: Vorhandene Aktien und freie Liquidität können Optionsprämien erzeugen, während niedrigere Kurse zugleich geplante Einstiege in zuvor ausgewählte Qualitätsunternehmen ermöglichen können. Zusätzliche Einnahmen können dadurch auch dann entstehen, wenn eine Aktie im jeweiligen Zeitraum nicht steigt.

Anne Schwedt: Warum der Plan vor dem Crash entsteht

Gerade in starken Marktbewegungen zeigt sich, welchen Wert eine gute Vorbereitung haben kann. Denn auch ein festgelegter Plan nimmt Anlegern weder das Marktrisiko ab noch garantiert er, dass sich eine Position wie erwartet entwickelt. Er schafft jedoch einen Rahmen, an dem sie sich orientieren können, wenn die Kurse deutlich schwanken.

Wann die nächste stärkere Korrektur kommt, wie weit die Kurse fallen und wie schnell sie sich anschließend erholen, bleibt schließlich offen. Genau diese Entwicklung muss auch niemand zuverlässig vorhersagen können, damit die Strategie funktioniert. „Entscheidend ist nicht, den nächsten Crash zeitlich richtig vorherzusagen, sondern schon vorher zu wissen, welche Unternehmen man besitzen möchte und wie man sein Kapital einsetzen will“, fasst Anne Schwedt zusammen.

Sie möchten herausfinden, ob das „Aktien vermieten“ zu Ihrer eigenen Anlagestrategie passt?

In ihrem Live-Workshop erklärt Anne Schwedt, wie gedeckte Optionsstrategien funktionieren und worauf es bei der praktischen Umsetzung ankommt!

Geschrieben von

Ana Karen Jimenez ist Redakteurin beim Deutschen Coaching Fachverlag und hat ihren Bachelor in Literaturwissenschaften und Spanisch an der Eberhard Karls Universität Tübingen abgeschlossen. Sie ist in den Magazinen für lesenswerte Ratgeber und vielfältige Kundentexte verantwortlich.

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