Die Mehrheit der Unternehmen testet zwar bereits digitale Technologien wie KI-gestützte Recherchewerkzeuge und Automatisierungsfunktionen und ausnahmslos alle befragten Führungskräfte befürworten eine Automatisierung dort, wo sie möglich und sinnvoll ist. Diese Offenheit gegenüber neuen Technologien zeigt sich auch in ersten Teilautomatisierungen, die bei 64 Prozent der Unternehmen etabliert sind. Jedoch verfügen in der Praxis nur rund 10 Prozent über weitgehend automatisierte Prozesse, etwa bei Steuererklärungen oder Umsatzsteuervoranmeldungen. Das zentrale Tool für Dokumentation und Datenmanagement bleibt in rund 60 Prozent der Steuerabteilungen Excel – ein wesentlicher Grund für Medienbrüche, manuelle Nacharbeiten und begrenzte Skalierungseffekte.
Für die Publikation Let’s Talk Tax 2025 wurden 80 Führungskräfte mit Gesamtverantwortung für die Steuerfunktion großer und international tätiger Unternehmen zwischen Mai und Dezember 2025 sowohl qualitativ als auch quantitativ befragt.
Regulatorische Initiativen – von der internationalen Steuerreform zur Mindestbesteuerung für multinationale Konzerne (Pillar Two) bis hin zum EU-Reformpaket VAT in the Digital Age (ViDA) – führen zu einer deutlichen Ausweitung digitaler Melde- und Berichtspflichten und verlangen kontinuierliche Anpassungen. Für 71 Prozent der Befragten ist die Vorbereitung auf neue steuerliche Regelungen derzeit die größte Herausforderung.
„Zwischen Anspruch und Realität besteht nach wie vor eine erhebliche Diskrepanz“, sagt Kristiina Coenen, Steuerexpertin und Partner bei Deloitte. „Inkonsistente Daten, fragmentierte IT-Systeme und unzureichende Automatisierung hemmen viele Steuerabteilungen – nicht aus fehlendem Engagement, sondern häufig infolge begrenzter finanzieller Ressourcen.“
Datenmanagement als strukturelles Hindernis
Die Befragung verdeutlicht, dass Datenstrukturen ein zentraler Engpass bleiben. Viele Unternehmen (69 %) befinden sich in einer S/4HANA-Transformation, doch häufig erfolgt die Modernisierung auf Grundlage der bisherigen Systemarchitekturen – sodass die bekannten Probleme weiterbestehen. Steuerrelevante Daten liegen oftmals verteilt in unterschiedlichen Programmen oder lokalen Tools vor.
Mit entsprechenden Auswirkungen: Weniger als die Hälfte (44 %) der Befragten geben an, jederzeit Zugriff auf alle steuerrelevanten Daten zu haben. Eine konsistente „Single Source of Truth“ bleibt damit die Ausnahme, wodurch die Erfüllung regulatorischer Anforderungen erschwert wird.
„Über die Zukunftsfähigkeit einer Steuerabteilung entscheidet nicht die nächste, einzelne Tool-Auswahl“, sagt Coenen. „Es braucht integrierte Datenarchitekturen und standardisierte Prozesse. Erst wenn Organisation, Daten und Technologie ganzheitlich neu ausgerichtet werden, kann sich die Steuerfunktion zu einem strategischen Partner für das Management entwickeln.“
Personalmangel in fast jeder zweiten Steuerabteilung
Neben technologischen Hürden rückt der Personaldruck zunehmend in den Fokus. 44 Prozent der Steuerleiter:innen berichten, dass ihre Teams aktuell nicht ausreichend besetzt sind, um Aufgaben zuverlässig zu bewältigen. Dies verstärkt die Abhängigkeit von externen Dienstleistern und erschwert gleichzeitig die aktive Mitgestaltung strategischer Projekte.
Die Erwartungen an zukünftige Kompetenzprofile verändern sich außerdem deutlich: Innovationsbereitschaft, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke werden von den Befragten als entscheidende Zukunftskompetenzen bewertet – noch vor klassischem steuerlichem Fachwissen.
Die Publikation Let’s Talk Tax 2025 können Sie hier herunterladen: Deloitte | Register
Samuel Altersberger ist Redakteur beim UnternehmerJournal. Vor seiner Arbeit beim DCF Verlag war er bereits sechs Jahre als freier Autor tätig und hat während dieser Zeit auch in der Marketing Branche gearbeitet.


