Unternehmen zahlen 100 Prozent Gehalt plus Nebenkosten und erhalten dennoch häufig nur einen Bruchteil der möglichen wirksamen Leistung zurück. Gleichzeitig wird in vielen Belegschaften eine grundlegende Frage lauter: Warum soll ich meine Lebenszeit in den Mehrgewinn eines Unternehmens investieren, wenn meine eigenen LebensZiele dabei offensichtlich keinerlei Rolle spielen? Was früher still gedacht wurde, wird heute offen ausgesprochen. Daraus entsteht eine strukturelle Schieflage, die viele Betriebe unterschätzen. „Das ist keine Frage von Motivation oder Moral, sondern eine systemische Dauer-Sollbruchstelle des klassischen Unternehmertums“, warnt Ulrich Zimmermann von der 100Plus UnternehmerCommunity. Bleibt diese Spannung ungelöst, drohen sinkende Leistungsbereitschaft, steigende Wechselneigung und ein schleichender Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.
Ulrich Zimmermann ist seit über 40 Jahren Unternehmer und Initiator der 100Plus UnternehmerCommunity. Er begleitet Unternehmer dabei, Organisationen so zu gestalten, dass Menschen aufblühen statt ausbrennen. „Der entscheidende Hebel ist die unternehmerische Mitverantwortung“, sagt er.
„Menschen sollten in Unternehmen für sich und ihre LebensZiele arbeiten können, nicht allein nur für die GewinnInteressen anderer. Es braucht ein Mehrfach-Gewinner-Modell.“
Sein Ansatz setzt nicht bei kurzfristigen Anreizen an, sondern bei einer strukturellen Neuausrichtung: Potenziale erkennen, Lebensziele ernst nehmen und wirtschaftliche Beteiligung ermöglichen. Ziel ist eine neue Kultur im Mittelstand, in dem Leistung, Loyalität und Sinn wieder zusammenfinden.
Ulrich Zimmermann von der 100Plus UnternehmerCommunity über den Kernkonflikt: Wenn Zielwelten auseinanderlaufen
Im Zentrum steht eine strukturelle Trennung von Zielwelten. Unternehmen definieren Wachstums-, Ertrags- und Effizienzziele, während Mitarbeiter persönliche Perspektiven verfolgen. Solange beides nicht miteinander verbunden ist, entsteht Distanz. Aufgaben werden erfüllt, aber Identifikation bleibt aus. Menschen arbeiten formal im Unternehmen, innerlich jedoch an ihren eigenen Zielen vorbei. Das ist kein moralisches Defizit, sondern eine echte konstruktive Schwäche klassischer Organisationsmodelle.

Hinzu kommt ein zweites Versäumnis: Organisationen sehen meist nur Funktionen, nicht Potentiale. Alles, was außerhalb der Stellenbeschreibung entsteht – Führungsverantwortung im Verein, Organisation komplexer Projekte oder unternehmerisches Gespür im Alltag – bleibt unsichtbar. Damit werden genau jene Kompetenzen nicht genutzt, die unternehmerisches Denken und Verantwortung ausmachen. Die Folge ist wirtschaftlich messbar: Volle Personalkosten treffen auf begrenzte Wirksamkeit. Nicht, weil Menschen nicht wollen, sondern weil Strukturen ihr Potenzial nicht systematisch integrieren.
Mehr als die Jobbeschreibung: Wie Unternehmen ungenutzte Fähigkeiten heben
Der entscheidende Schritt beginnt mit einer unternehmerischen Entscheidung: Nicht Stellenprofile stehen im Mittelpunkt, sondern reale Fähigkeiten. Unternehmen, die systematisch danach fragen, welche Kompetenzen bereits im Haus vorhanden sind, erschließen Wertschöpfung, die bislang unsichtbar war. Sobald diesen Fähigkeiten echter Handlungsspielraum und Ergebnisverantwortung gegeben wird, entsteht sofort unternehmerische Wirkung.
Wie konkret das aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Zimmermanns eigener früherer Unternehmerpraxis als ErsatzteileGroßhändler. Ein Auszubildender fiel weniger durch schulische Leistungen auf als durch sein Gespür für den An- und Verkauf hochpreisiger Fahrzeuge. Statt dieses Talent zu übersehen, wurde es gezielt integriert. Parallel zu seiner Tätigkeit im Außendienst entstand aus diesem Potential als zusätzlicher Bereich ein Autohandel, der sich zu einem siebenstelligen Geschäftsmodell entwickelte. Keine Neueinstellung, kein Strategiewechsel, sondern das konsequente Heben vorhandener Kompetenz. Genau hier beginnt Intrapreneurship: Wenn Menschen nicht nur Funktionen erfüllen, sondern wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, entsteht messbare Dynamik.

Ulrich Zimmermann von der 100Plus UnternehmerCommunity: Von Identifikation zu Eigentum – Wenn Mitarbeiter zu Mitunternehmern werden
Unternehmen verändern ihre Dynamik grundlegend, wenn persönliche Ziele nicht als Privatsache gelten, sondern als Teil der strategischen Ausrichtung. Wo wirtschaftliche Kraft, Netzwerke und Gestaltungsspielräume gezielt eingesetzt werden, um individuelle Perspektiven zu unterstützen, verschiebt sich die innere Haltung. Mitarbeiter handeln aus eigenem Interesse im Unternehmen – und genau deshalb im Interesse des Unternehmens. In Zimmermanns eigener Praxis führte genau diese Verschiebung bei gleicher Mannschaft, gleichen Produkten und gleichen Kosten zu einer Verdreifachung des Umsatzes. Nicht das Geschäftsmodell hatte sich verändert, sondern die Verbindung von Unternehmenszielen und persönlichen Zielen.
Diese Identifikation erhält ihre stärkste Wirkung durch echte wirtschaftliche Beteiligung. Zimmermann setzt auf Mitarbeitergenossenschaften, an die beispielsweise zehn Prozent der Unternehmensanteile übertragen werden, während die Mehrheit beim Unternehmer verbleibt. Ausschüttungen unterliegen nur einer Steuerlast von unter einem Prozent, die Genossenschaft verfolgt keinen Gewinnmaximierungszweck, sondern einen klaren Förderauftrag für ihre Mitglieder. Besonders engagierte Mitarbeiter verwalten ihre Anteile eigenständig, der Unternehmer ist weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat vertreten. Engagement und Nutzen verstärken sich gegenseitig, die Auswahl erfolgt über Leistung. Die leistungstragenden Mitarbeiter entscheiden selbst, wen sie als Genossen aufnehmen. So entsteht aus innerer Verbundenheit wirtschaftliche Mitverantwortung.
Fazit: Wenn Unternehmertum im Unternehmen entsteht
Die Sollbruchstelle verschwindet dort, wo diese drei Prinzipien zusammenwirken: verborgene Potenziale werden gehoben, persönliche Ziele strategisch integriert und engagierte Mitarbeiter real beteiligt.

Dann greifen Leistung, Loyalität und wirtschaftlicher Erfolg ineinander. Unternehmen schöpfen nicht länger nur einen Teil der vorhandenen Leistungsfähigkeit ab, sondern ermöglichen ihre volle Wirkung. Das ist kein idealistisches Sozialmodell, sondern konsequent gedachtes neues Unternehmertum für Unternehmer und Mitarbeiter. Wer volle Personalkosten trägt, sollte auch volle Wirksamkeit erwarten dürfen. Wer vollen Einsatz als Mitarbeiter bringt, sollte auch unternehmerisch seine Potentiale entfalten und für seine eigenen LebensZiele profitieren.
Gerade mittelständische Unternehmen können diesen Schritt unmittelbar gehen. Kurze Entscheidungswege und unternehmerische Gestaltungsfreiheit erlauben es, Strukturen schnell anzupassen und Beteiligung neu zu denken. Diese Haltung spiegelt sich auch in der 100Plus UnternehmerCommunity wider, die Ulrich Zimmermann gegründet hat. Dort vernetzen sich Unternehmer, die Verantwortung teilen und Organisationen wirksamer gestalten wollen. „Unternehmen dürfen Menschen größer machen“, sagt Zimmermann. Wo das gelingt, entstehen Intrapreneure, die Verantwortung übernehmen und den Mittelstand nachhaltig stärken.
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Ana Karen Jimenez ist Redakteurin beim Deutschen Coaching Fachverlag und hat ihren Bachelor in Literaturwissenschaften und Spanisch an der Eberhard Karls Universität Tübingen abgeschlossen. Sie ist in den Magazinen für lesenswerte Ratgeber und vielfältige Kundentexte verantwortlich.


