Planbare Energiekosten, stabile Margen, eine verlässliche Kalkulationsbasis: Das erwarten Geschäftsführer und Einkäufer von einem gut strukturierten Stromvertrag. Die Realität sieht häufig anders aus, weil in der Angebotsbewertung eine Dimension fehlt: der zeitliche Verlauf des Verbrauchs.
Strom kostet an der Börse nicht rund um die Uhr dasselbe. In den Mittagsstunden drückt Solarstrom die Preise regelmäßig nach unten, an vielen Tagen bis in den negativen Bereich. Am frühen Abend, wenn die Einspeisung wegbricht und die Nachfrage steigt, ziehen die Preise an. Das gilt auch im Festpreisvertrag: Der Versorger kalkuliert die Struktur des Lastgangs in seinen Angebotspreis ein. Wer ein ungünstiges Profil hat, bezahlt es, ohne es auf der Rechnung zu sehen.
„Wenn das Lastprofil nicht berücksichtigt wird, treffen Unternehmen ihre Beschaffungsentscheidung auf einer unvollständigen Grundlage. Das kostet dauerhaft Geld, und niemand merkt es, weil der Vertrag auf dem Papier gut aussieht“, sagt Julian Rosenthal, Geschäftsführer der BVGE Consulting GmbH, der Beratungsgesellschaft des Bundesverbands der gewerblichen Energienutzer (BVGE).
„Der entscheidende Hebel im Energieeinkauf ist nicht der Gesamtverbrauch, sondern der Zeitpunkt des Verbrauchs. Genau da setzt die Lastprofilanalyse an.“ Julian Rosenthal, Geschäftsführer der BVGE Consulting GmbH
Julian Rosenthal von der der BVGE Consulting: Was das Lastprofil verrät und der Jahresverbrauch verschweigt
Der Jahresverbrauch ist eine Summe. Das Lastprofil ist der Film dazu. Bei Betrieben mit registrierender Leistungsmessung liegt es in Viertelstundenwerten vor, 35.040 Datenpunkte pro Jahr, die ohnehin gemessen werden. Die meisten Unternehmen haben diese Daten und schauen sie nie an.
Genau hier setzt die BVGE Consulting an. Das Team legt den Lastgang eines Kunden über die Preiskurve der Strombörse und beantwortet damit drei Fragen: In welchen Preisphasen fällt der Verbrauch an? Wo liegen die Lastspitzen, und was kosten sie über Leistungspreis und Netzentgelte? Und welche Anteile des Verbrauchs lassen sich technisch oder organisatorisch verschieben?
„Zwei Unternehmen können exakt gleich viel Strom verbrauchen und trotzdem völlig unterschiedliche Energiekosten haben. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt des Verbrauchs und im Beschaffungsmodell, nicht in der Menge“, sagt Rosenthal.
Gleicher Verbrauch, anderer Preis: Zwei Betriebe mit identischer Jahresmenge zahlen 11,8 beziehungsweise 7,0 Cent je Kilowattstunde, nur weil sie zu unterschiedlichen Zeiten verbrauchen.
Was der Zeitpunkt in Zahlen wert ist
Wie groß der Unterschied inzwischen ist, zeigt der Blick auf reale Marktdaten. Im zweiten Quartal 2026 kostete Strom am Day-Ahead-Markt der EPEX SPOT zwischen 11 und 15 Uhr im Mittel 1,61 Cent je Kilowattstunde. Abends zwischen 17 und 20 Uhr waren es 12,11 Cent, morgens zwischen 6 und 9 Uhr 11,69 Cent, nachts 11,35 Cent. Zwischen der teuersten und der günstigsten Viertelstunde eines Tages lagen im Quartalsmittel 21,83 Cent.
Damit lässt sich der Effekt direkt ausrechnen. Zwei Betriebe mit identischem Jahresverbrauch: Betrieb A hat 45 Prozent seiner Menge in den Abendstunden zwischen 17 und 20 Uhr, Betrieb B 45 Prozent in den Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr, die übrige Menge liegt bei beiden zu 11,5 Cent. Betrieb A kommt damit auf einen durchschnittlichen Beschaffungspreis von 11,8 Cent je Kilowattstunde, Betrieb B auf 7,0 Cent. Ein Unterschied von 4,7 Cent, ohne dass einer der beiden eine Kilowattstunde mehr oder weniger verbraucht. Bei 4,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr wären das rund 210.000 Euro.
Über ein volles Jahr fällt der Effekt kleiner aus, weil die Mittagstäler im Winter deutlich flacher sind und sich nie der gesamte Verbrauch verschieben lässt. Genau deshalb rechnet das folgende Beispiel bewusst konservativ.
Beispielrechnung: Was eine Verschiebung in die Mittagsstunden bringt
Wie groß der Hebel ist, zeigt eine Beispielrechnung aus der Kühl- und Tiefkühllogistik. Ein Kühlhaus ist technisch gesehen ein großer Kältespeicher: Die eingelagerte Ware hält ihre Temperatur über Stunden, auch wenn die Verdichter zwischendurch pausieren. Genau das macht diese Branche zu einem der dankbarsten Fälle für eine Lastprofilanalyse.
Ein mittelgroßes Tiefkühlhaus mit rund 70.000 Kubikmetern Lagervolumen kommt nach branchenüblichen Kennzahlen auf etwa 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Läuft die Kälteanlage rein nach Solltemperatur, fällt ein erheblicher Teil der Verdichterlaufzeiten zufällig in die Abendstunden, also genau dann, wenn der Börsenpreis am höchsten ist.
Nach einer Lastgangauswertung lässt sich das umdrehen: Die Anlage kühlt in den Mittagsstunden vor, wenn der Börsenpreis oft gegen null oder darunter fällt, und fährt am Abend nur noch das Nötigste. Parallel wechselt der Betrieb vom reinen Festpreisvertrag in ein dynamisches Modell, das die Börsenpreise tatsächlich weitergibt.
Senkt diese Kombination den durchschnittlichen Beschaffungspreis um drei Cent je Kilowattstunde, sind das bei 4,5 Millionen Kilowattstunden rund 135.000 Euro im Jahr. Ohne eine einzige Kilowattstunde weniger zu verbrauchen.
„Der Betrieb lagert unverändert weiter, liefert unverändert weiter und zahlt trotzdem deutlich weniger. Der Unterschied liegt allein im Zeitpunkt und im Vertragsmodell“, sagt Julian Rosenthal.
Beispielrechnung auf Basis branchenüblicher Kennzahlen. Kein realer Kundenfall.
Julian Rosenthal von der der BVGE Consulting: Einsparpotenziale, die in keinem Angebot stehen
Viele Unternehmen halten ihren Verbrauch für fix, weil die Produktion nicht nach Börsenpreis laufen kann. Für die Hauptproduktion stimmt das oft. Für den Rest nicht. Kühlanlagen, Druckluft, Lüftung, Gebäudetechnik und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge machen in vielen Betrieben einen erheblichen Teil des Verbrauchs aus und lassen sich deutlich leichter steuern als eine Fertigungslinie.
„Diese Nebenverbräuche sind der Teil, den fast alle übersehen. Eine Kälteanlage kann in den günstigen Mittagsstunden vorkühlen, ein Druckluftspeicher kann Spitzen abfangen. Und die Dienstwagen, die morgens um acht auf dem Firmenparkplatz angesteckt werden und nachmittags wieder wegfahren, müssen nicht sofort mit voller Leistung laden. Ein Lademanagement drosselt am Morgen und legt die Hauptladung zwischen 10 und 16 Uhr. Das vermeidet die teuren Morgenstunden und die Lastspitze gleich mit. Häufig kostet das keine Investition, sondern nur eine Entscheidung“, sagt Julian Rosenthal. Auch die Netzentgelte hängen am Profil: Höhe und Zeitpunkt der Lastspitzen bestimmen den Leistungspreis. Wer seine Spitzen glättet, spart hier ein zweites Mal.
Geplante Investitionen in Photovoltaik, Speicher oder Ladeinfrastruktur gehören von Anfang an in die Beschaffungsstrategie, weil sie das Lastprofil und damit den künftigen Preis je Kilowattstunde verändern.
Vom Lastprofil zum Beschaffungsmodell
Erst auf dieser Grundlage lässt sich seriös entscheiden, welches Beschaffungsmodell passt. Festpreisverträge bieten Planungssicherheit, lassen günstige und negative Börsenpreise aber ungenutzt. Spotmarktmodelle geben die Börsenpreise direkt weiter, mit allen Chancen und allen Schwankungen. Dazwischen liegen Hybridmodelle, die einen festen mit einem marktabhängigen Anteil kombinieren.
„Wir bewerten diese Modelle nicht pauschal, sondern auf Basis des echten Lastgangs. Dann lautet die Frage nicht mehr, welches Modell gerade in Mode ist, sondern welches zu diesem Betrieb passt“, sagt Julian Rosenthal. Wie hoch der abgesicherte Anteil sein sollte, hängt am Lastprofil, an der Flexibilität im Betrieb und an der Risikobereitschaft der Geschäftsführung. Die BVGE Consulting vergleicht dafür Angebote über eine Vielzahl von Versorgern hinweg und ist an keinen einzelnen Lieferanten gebunden.
Die drei teuersten Fehler im Energieeinkauf
Erstens: zu spät anfangen. „Entscheidungen fallen häufig erst kurz vor Vertragsende, ohne Analyse der eigenen Verbrauchsdaten. Dann bleibt keine Zeit, das Profil zu verstehen, geschweige denn, es zu verändern“, so Rosenthal.
Zweitens: nur auf den Arbeitspreis schauen. Netzentgelte, Leistungspreis, Steuern und Umlagen machen einen erheblichen Teil der Rechnung aus, und einige davon hängen direkt am Lastprofil.
Drittens: das Profil als gegeben hinnehmen. Wer seinen Lastgang nie ausgewertet hat, weiß nicht, welche Anteile beweglich sind, und verhandelt über den Preis eines Produkts, das er selbst nicht kennt.
Fazit: Erst das Profil, dann der Preis
Wer seine Energiekosten dauerhaft senken will, muss die Reihenfolge umdrehen: erst den eigenen Verbrauch verstehen, dann das Beschaffungsmodell wählen, dann über den Preis verhandeln. Das Lastprofil ist dafür die Grundlage. Die Daten liegen in fast jedem Unternehmen bereits vor. Man muss sie nur auswerten.
Kostenlose Lastprofilanalyse anfordern Ihr Ansprechpartner: Jörg Bracht, j.bracht@bvge.energy, Telefon 0271 338 837 21
