Wenige Tage nach der Absage der Cashflow Conference 2026 – die am 3. und 4. Juli mit über 8.000 Teilnehmern in der Messe Frankfurt stattfinden sollte – verdichten sich die Hinweise auf ein Desaster, das weit über eine gescheiterte Veranstaltung hinausgeht. Messeaussteller, Handwerker, Dienstleister und Ticketkäufer berichten übereinstimmend von einem vollständigen Kommunikationsabbruch seitens der Cashflow Conference GmbH. Es kursieren Betrugsvorwürfe, erste Strafanzeigen sind gestellt, und die handelnden Personen sind offenbar nicht erreichbar. Die GmbH hinter der Cashflow Conference hat Insolvenz angemeldet.
Cashflow Conference: Langes Schweigen auf Nachfragen
Den Ausgangspunkt bildet eine knappe E-Mail, die Messeaussteller und nach Angaben von Beteiligten möglicherweise auch Ticketkäufer vor wenigen Tagen erhielten. Die Botschaft: Die Veranstaltung könne „so wie geplant nicht stattfinden“. Weitere Informationen oder eine Erklärung enthielt die Nachricht offenbar nicht.
Nach vier Tagen folgte dann die Bekanntmachung der Insolvenz. Auf der Webseite heißt es dazu: Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich – insbesondere gegenüber allen Ticketinhabern, Speakern, Partnern und Dienstleistern, die der Cashflow Conference ihr Vertrauen geschenkt haben.
Robert Hoffmann: „Ich bin total fassungslos“
Einer der ersten, der sich öffentlich positioniert hat, ist Robert Hoffmann. Der Unternehmer und Content Creator, der 87.000 Follower auf Instagram erreicht, war auf der Cashflow Conference 2025 selbst als Speaker eingeladen und kennt Mitgründer Tobias Claessens nach eigenen Angaben persönlich. In einem ausführlichen Instagram-Reel vom 10. Juni schildert Hoffmann ein verheerendes Bild.
Ihm zufolge hat seit der besagten E-Mail kein einziger Beteiligter aus seinem Netzwerk einen angekündigten Rückruf der Veranstalter erhalten – obwohl die Begründung für die fehlende öffentliche Kommunikation zunächst gewesen sei, man wolle „erstmal persönlich mit allen telefonieren“. Hoffmann berichtet zudem, dass Messeaussteller noch in den Tagen unmittelbar vor der Absage-Mail „unter Druck gesetzt“ worden seien, hohe Summen zu überweisen. Auf der Gegenseite hätten zahlreiche Handwerker und Dienstleister, die bereits Leistungen erbracht hätten, kein Geld erhalten. Die Verantwortlichen seien „alle untergetaucht“, so Hoffmann.
Bis zuletzt noch online: Wie Webseite der Cashflow Conference
Besonders kritisiert er, dass es einen Rettungsversuch gegeben habe: Beteiligte mit wirtschaftlichem Gewicht hätten sich zusammengeschlossen, auf Gelder verzichten und sogar neues Kapital zuschießen wollen. Dieser Versuch sei jedoch gescheitert – nicht an inhaltlichen Differenzen, sondern schlicht an mangelnder Kommunikation der Veranstalter.
Matthias Beerbaum: Strafanzeige gestellt gegen Tobias Claessens und andere
Noch konkreter wird Immobilienunternehmer Matthias Beerbaum, der ebenfalls als Speaker für die CFC 2026 vorgesehen war und als Titelbild auf Werbematerialien der Konferenz erschien. In den Kommentaren unter Hoffmanns Reel bestätigt Beerbaum, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gestellt zu haben. Diese richtet sich gegen drei Personen: Geschäftsführer Fabian Rieker, den früheren Mitgründer Tobias Claessens und den Mitgesellschafter Sean Giddens. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Betrug in besonders schwerem Fall. Laut Beerbaum seien bei der Staatsanwaltschaft bereits zahlreiche weitere Anzeigen eingegangen.
Verstehen keinen Spaß mehr: Matthias Beerbaum und Robert Hoffmann (v.l.).
Beerbaum schildert, er habe über drei Tage hinweg „alles versucht“ – eigenes Personal vor Ort geschickt, unzählige Anrufe getätigt, E-Mails geschrieben, persönlich Büros aufgesucht. Zugesagte Termine seien wiederholt verschoben und dann nicht eingehalten worden. Die einzige Reaktion, die er erhalten habe, sei ein Anwaltsschreiben gewesen, das ihm weitere Kontaktaufnahme mit Fabian Rieker untersage. Er habe selbst einen erheblichen Betrag für einen Messestand gezahlt und 250 bestehende Kunden eingeladen. Beerbaum wird in den Kommentaren deutlich: Die Verantwortlichen hätten bis zuletzt Geld eingesammelt im Wissen, dass die Veranstaltung nicht stattfinde.
Auch der Finanz-Content-Creator „FinanzenmitPhil“ bestätigt in den Kommentaren, einen Stand gebucht und bezahlt zu haben. Das Geld habe er „gedanklich abgeschrieben“.
Die drei Protagonisten
Im Zentrum der Vorwürfe stehen drei Personen:
Fabian Rieker ist als alleiniger Geschäftsführer der Cashflow Conference GmbH (Sitz: Stuttgart, HRB 793201, Stammkapital: 25.000 Euro) im Handelsregister eingetragen. Über seinen beruflichen Hintergrund ist öffentlich wenig bekannt. Er ist seit der Absage offenbar nicht erreichbar.
Tobias Claessens ist Gründer und CEO der currily AG, eines Stuttgarter Immobilienunternehmens. Er gilt als Gesicht der Cashflow Conference und verfügt als „Immogame“ über rund 150.000 Social-Media-Follower. Entscheidend: Claessens ist laut übereinstimmenden Berichten bereits vor Monaten als Geschäftsführer der Cashflow Conference GmbH ausgeschieden – ohne dies öffentlich zu kommunizieren. Dieser Umstand wiegt nach Einschätzung mehrerer Beteiligter schwer: Viele Aussteller und Partner hätten gerade wegen seines Namens und seiner Reputation Vertrauen in die Veranstaltung gehabt und Gelder gezahlt.
Tobias Claessens ist ein bekannter Netzwerker
Sean Giddens (26) wird auf der Webseite der Cashflow Conference als „Head of Partnerships“ geführt und wurde in einem Interview mit Finfluencer Circle TV im Februar 2026 als „Mitgesellschafter“ der Cashflow Conference vorgestellt. Auf LinkedIn beschreibt er sich als Projektleiter der Konferenz. Auch Giddens gehört zu den drei Personen, gegen die sich die Strafanzeige von Beerbaum richtet.
Gesellschaftsumbau kurz vor der Absage: Welche Rolle spielt Tobias Claessens?
Mehrere Beteiligte berichten, dass es wenige Tage vor Versand der Absage-Mail zu Veränderungen in der Gesellschafterstruktur der Cashflow Conference GmbH gekommen sei. Robert Hoffmann spricht in seinem Reel von „Verschiebungen in der Gesellschafterliste“ und nennt dies „das Schlimmste, was es nur gibt“. Er verweist darauf, dass die Staatsanwaltschaft – nach seinen Informationen gebündelt über die Generalstaatsanwaltschaft – möglicherweise kurzfristig einen Arrestantrag gegen die Konten der GmbH stellen werde, um verbleibendes Vermögen zu sichern.
Ob ein solcher Antrag tatsächlich gestellt wurde und ob es ein Insolvenzverfahren gibt, ließ sich zum Redaktionsschluss nicht bestätigen.
Existenzen stehen auf dem Spiel
Das Ausmaß der potenziellen Schäden ist erheblich. Auf der einen Seite stehen Messeaussteller, die nach Berichten aus dem Umfeld der Veranstalter Summen im fünfstelligen Bereich – teils 40.000 bis 60.000 Euro – für ihre Standplätze bezahlt haben. Auf der anderen Seite stehen Handwerksbetriebe, Messebauer, Agenturen und weitere Dienstleister, die Leistungen erbracht haben, für die jetzt keine Bezahlung kommt. Hinzu kommen Ticketkäufer sowie mittelbare Schäden durch gebuchte Hotelzimmer, eingestelltes Personal und Marketingkosten.
Robert Hoffmann warnt, dass sich die Verantwortlichen „mit zwei schlimmen Gruppen“ anlegen: Wirtschaftlich potenten Ausstellern, die „aus Prinzip“ rechtliche Aufklärung fordern werden, und Handwerkern, deren finanzielle Existenz möglicherweise bedroht ist.
Die in diesem Artikel erhobenen Vorwürfe sind zum Teil schwerwiegend. Es handelt sich dabei um Darstellungen von Beteiligten und Betroffenen. Ein Schuldnachweis ist damit nicht verbunden. Die Verantwortlichen der Cashflow Conference GmbH hatten bis zum Redaktionsschluss Gelegenheit zur Stellungnahme, haben davon jedoch keinen Gebrauch gemacht. Sollte eine Stellungnahme nachgereicht werden, wird dieser Artikel entsprechend ergänzt.
Hinweis: Es gilt die Unschuldsvermutung. Die genannten Strafanzeigen stellen keine Schuldfeststellungen dar, sondern Veranlassungen zur Prüfung durch die Ermittlungsbehörden.
