Weg von Schuldzuweisungen, hin zum Lernen: Grundprinzipien von Human and Organizational Performance (HOP)
Im Kern basiert HOP auf fünf Grundprinzipien. Das erste macht deutlich: Fehler lassen sich nicht vollständig vermeiden, sie sind jedoch vorhersehbar. Menschen machen nun mal Fehler. Studien sprechen von drei bis fünf meist kleinen Fehlern pro Stunde. Entscheidend ist daher nicht die Illusion der Fehlerfreiheit, sondern die Gestaltung von Systemen, die die Wahrscheinlichkeit und die Folgen von Fehlern reduzieren.
Das zweite zentrale Prinzip von HOP lautet, dass Schuldzuweisungen nach Fehlern nie zielführend sind. Im Gegenteil: Wer Betroffene in den Lernprozess einbindet, schafft die Grundlage, Ursachen besser zu verstehen und wirksame Lösungen abzuleiten. Wenn nach einem Arbeitsunfall hingegen zuerst über arbeitsrechtliche Konsequenzen diskutiert wird, entsteht schnell eine Angstkultur, die wiederum eine hohe Dunkelziffer an Arbeitsunfällen und unsicheren Situationen zur Folge hat. HOP fordert deshalb ein Umfeld mit psychologischer Sicherheit, in dem gemeinsames Lernen möglich wird, betont Anna Ganzke von der WandelWerker Consulting GmbH.
Ergänzend dazu besagt der dritte HOP-Grundsatz: Verhalten wird maßgeblich durch den Kontext geprägt. Im Austausch mit Führungskräften und Mitarbeitern zeigt sich immer wieder, dass Arbeitsunfälle und riskante Situationen meist aus einer positiven Absicht heraus entstehen. Gerade deshalb ist es entscheidend, zu erkennen, welch starken Einfluss das Arbeitsumfeld auf das Handeln aller Beteiligten hat.
Das vierte Prinzip betont währenddessen die zentrale Bedeutung kontinuierlichen Lernens. Unternehmen sollten Fehler sowie die daraus resultierenden unsicheren Situationen und Arbeitsunfälle demnach konsequent als Lernchancen begreifen, um Strukturen und Abläufe nachhaltig zu verbessern.
Zuletzt richtet der fünfte Grundsatz den Blick auf den Umgang mit Fehlern. Wie im Unternehmen auf Arbeitsunfälle und kritische Situationen reagiert wird, entscheidet darüber, ob Betroffene offen darüber sprechen. Gefordert ist daher ein Klima psychologischer Sicherheit, das gemeinsames Lernen aus Fehlern ermöglicht.
Anna Ganzke von WandelWerker Consulting über HOP-Grundsätze in der Praxis: Wie sie sich zuverlässig einführen lassen
Auf Basis dieser Prinzipien eröffnet der HOP-Ansatz Unternehmen erhebliche Chancen, ihre Sicherheits- und somit auch Unternehmenskultur zu stärken und Prozesse widerstandsfähiger zu gestalten. In der Praxis ist die Einführung jedoch mit spürbaren Hürden verbunden. Notwendig ist ein kultureller Wandel: weg von der Maxime „keine Fehler, keine Unfälle“ hin zu einem gemeinsamen Lernen aus Fehlern. Dafür braucht es ein Umdenken auf allen Ebenen, damit Betroffene nach Vorfällen nicht stigmatisiert werden, sagt Anna Ganzke von der WandelWerker Consulting GmbH. Gerade die kritische Betrachtung klassischer Unfallkennzahlen stößt dabei häufig zunächst auf Widerstand. Es braucht einen stärkeren Fokus auf sichere Aktivitäten.

Zudem müssen Unternehmen bereit sein, entsprechende Ressourcen bereitzustellen. Entscheidend sind nicht allein die fünf HOP-Prinzipien, sondern deren konkrete Umsetzung in Prozessen und im Miteinander, etwa in Lernteams oder Arbeitsschutzgremien. Gefordert sind ein verändertes Safety Mindset sowie die gezielte Befähigung von Führungskräften und Mitarbeitern, um echte Beteiligung zu ermöglichen.
HOP ist in erster Linie eine Haltung im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Daher beginnt die Transformation bei der Einstellung von Management, Führungskräften und Belegschaft. Ergänzend braucht es geeignete Werkzeuge, die auf den HOP-Grundsätzen basieren und helfen, Schwachstellen in Prozessen und Strukturen systematisch zu erkennen. Solche Qualifizierungsmaßnahmen sollten nicht punktuell stattfinden, sondern über einen längeren Zeitraum begleitet werden, betont Anna Ganzke von der WandelWerker Consulting GmbH. Nur so können sich neue Routinen entwickeln und der souveräne Umgang mit den neuen Instrumenten nachhaltig verankert werden.
Fazit: Sicherheit beginnt beim ehrlichen Umgang mit Fehlern
Die Weiterentwicklung von einer regelorientierten hin zu einer sozialen Sicherheitskultur gelingt nicht durch Einzelmaßnahmen. Sie erfordert ein systematisches Vorgehen, das sowohl organisatorische Rahmenbedingungen als auch individuelles Verhalten einbezieht. Unternehmen brauchen individuell zugeschnittene Strategien und Maßnahmenpläne, die zu ihren aktuellen Voraussetzungen passen. Fehler sind dabei nicht das Ende von Sicherheit, sondern ihr Anfang. Wer akzeptiert, dass Menschen Fehler machen, wer Schuldzuweisungen vermeidet und stattdessen systematisch lernt, schafft die Grundlage für eine resiliente Organisation. HOP zeigt dabei: Sicherheit entsteht dort, wo offen gesprochen, gemeinsam reflektiert und konsequent verbessert wird.
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Samuel Altersberger ist Redakteur beim UnternehmerJournal. Vor seiner Arbeit beim DCF Verlag war er bereits sechs Jahre als freier Autor tätig und hat während dieser Zeit auch in der Marketing Branche gearbeitet.


