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Studie zeigt: so beeinflusst Corona die Weltwirtschaft

Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig: Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft weltweit stark geschädigt. Doch Prognosen darüber, wie es weitergeht, sind weit weniger einstimmig. Nun veröffentlicht die globale Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners eine Studie über die Nachfrageverschiebungen aufgrund der Quarantäne.

Eine aktuelle Expertenanalyse von Simon-Kucher & Partners liefert neue Erkenntnisse darüber, wie stark die Covid-19-Pandemie Unternehmen rund um den Globus bedroht. Dabei lassen sich Unternehmen in vier Kategorien einteilen: florierend (thriving), überfordert (overwhelmed), unausgelastet (overweight) und bedroht (threatened).

Ergebnisse der Studie

Experten berechneten für jede Branche die Auswirkungen von Nachfrageschwankungen anhand eines Punktesystems. Die Schwankungen werden unter anderem durch veränderte Kundenvorlieben, neue Verhaltensmuster, Herausforderungen im Vertrieb aufgrund der Kontaktbeschränkungen oder gesetzliche Auflagen ausgelöst.

Von diesem Punktesystem ausgehend erstellte Simon-Kucher eine Krisen-Matrix, auf der insgesamt 23 unterschiedliche Branchen einer der vier Kategorien zugeteilt werden konnten.

58 Prozent der Wirtschaft zählt zur Kategorie stark bedroht (threatened)

Das Alarmierende: Laut dieser Analyse sind derzeit 58 Prozent der Weltwirtschaft bedroht – in einem Wert von insgesamt 50 Billionen US-Dollar. Das zeigt nicht nur, dass die Auswirkungen der Krise in einzelnen Branchen enorm sind. Sondern auch, dass es eben nicht nur wenige Bereiche, wie etwa Tourismus und Gastronomie, betrifft. Die Automobilbranche, die Fertigungsindustrie, der Handel, Maschinenbau, Logistik, das Baugewerbe und die Werbebranche – sie alle gehören zu den bedrohten Branchen.

„Auch wenn viele Unternehmen die letzten Monate überstanden haben, ist es äußerst fraglich, wie lange sie noch durchhalten können“, sagt Jan Haemer, Partner von Simon-Kucher. „Firmen aus der Bedroht-Kategorie müssen daher ihr Geschäftsmodell grundsätzlich auf den Prüfstand stellen.“ Dazu sei es nötig, Marktangang und Vertriebsstrukturen zu reorganisieren, die Customer Journey anders aufzubauen sowie neue Bezahlmodelle zu nutzen und neue Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

„Gleichzeitig müssen sie Altes über Bord werfen, das in einer Welt mit Corona nicht mehr den Kundenbedürfnissen entspricht und Ihr Angebot darauf ausrichten, was für den Kunden in Zukunft wichtig ist“, so Haemer.

Vierzehn beziehungsweise 17 Prozent sind unausgelastet (overweight) und überfordert (overwhelmed)

Laut Analyse machen „unausgelastete“ Unternehmen, die zwar erhebliche Nachfrageinbrüche haben, jedoch nur geringfügig in ihrem Vertriebsmodell beeinträchtigt sind, vierzehn Prozent der Weltwirtschaft aus. Das entspricht einem geschätzten Wert von zwölf Billionen US-Dollar. Hingegen sind 17 Prozent (ungefähr vierzehn Billionen US-Dollar) überfordert. Sie erleben also einen solchen Nachfrageanstieg, dass sie möglicherweise nicht in der Lage sind, zu liefern oder ihre Qualitäts- und Servicestandards aufrechtzuerhalten.

Florierende (thriving) Branchen machen elf Prozent der globalen Wirtschaft aus

Positiver stimmt ein anderes Ergebnis der Studie: Elf Prozent der Wirtschaft mit einem ungefähren Wert von neun Billionen US-Dollar können sogenannten florierenden Branchen zugeordnet werden. Pharma-, Telekommunikations-, Software-, Internet- und Medienunternehmen profitieren derzeit von Nachfrageverschiebungen.

Die derzeitigen Social-Distancing-Maßnahmen verhindern hier weder den allgemeinen Konsum noch Marketingmaßnahmen in der Neukundenerschließung oder Produktentwicklung. „Jedes Unternehmen will derzeit in dieser Situation sein, die meisten sind aber nur durch Glück oder Zufall hierher geraten“, beurteilt Andreas Hudelmaier, Partner von Simon-Kucher, die Lage.

Commercial Agility: der Schlüssel zum Überleben in der Krise

Fest steht: Die erhobenen Zahlen sind nicht unveränderlich: Eine genaue Summe des durch die Corona-Pandemie verursachten gesamtwirtschaftlichen Schadens wird erst nach der Krise feststehen. Hinzu kommt, dass niemand weiß, wie oft das wiederaufflackernde Covid-19-Virus die Wirtschaft – und damit die Unternehmen – durch wiederkehrende staatlich verordnete Beschränkungen – dazu zwingen wird, noch einmal auf Neustart zu gehen.

„Daher sprechen wir von einer wiederkehrenden Krise“, so Hudelmaier. Im Unterschied zu einer klassischen Wirtschaftskrise, die meist einen linearen Nachfrageeinbruch sowie eine ebensolche Erholung aufweist, belastet eine wiederkehrende Krise sowohl Nachfrage als auch Vertriebsmodelle. „Für diese Doppelbelastung hat so gut wie kein Unternehmen eine Strategie in der Tasche“, sagt Hudelmaier.

Wie sich die Unternehmen dabei schlagen sei, so Haemer, von ihrer Commercial Agility abhängig. „Das ist die Fähigkeit, schnell und flexibel immer und immer wieder belastbare Entscheidungen bezüglich Angebotsgestaltung, Vertrieb, Kostenmanagement und Preisgestaltung zu treffen. Und zwar bis der Markt sich wieder einigermaßen beruhigt hat“, erklärt Haemer.

Anne Kläs
Geschrieben von

Anne Kläs hat einen Master of Education in Französisch und Religion, ist Expertin für hochwertigen Content und beim Gewinnermagazin für das Führen von Unternehmer-Interviews verantwortlich.

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