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Prof. Dr. Tim Weitzel: „Viele Unternehmen sind in einem digitalen Tal der Tränen gefangen.“

Auch im Recruiting wird vermehrt auf digitale Mittel gesetzt. Bei den Erfahrungen damit spalten sich die Meinungen zwischen den Unternehmen und Kandidaten. Während Unternehmen noch an Digitalisierungsstrategien tüfteln, erwarten Kandidaten schnelles Handeln.

Fest steht, dass die Digitalisierung auch das Recruiting grundlegend verändern wird. Beispielsweise sind Recruiter der Meinung, dass sich fast 50 Prozent aller Jobprofile durch die Digitalisierung in den nächsten zehn Jahren deutlich wandeln werden. Das ist Teil der Ergebnisse der „Recruiting Trends“ Studie des Centre of Human Resources Information Systems der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg mit dem Karriereportals Monster.

Digitalisierung bringt Recruiting voran

Bei der Beurteilung der Effektivität von IT-Maßnahmen im Recruiting, halten nur noch rund 21 Prozent den Einsatz im Personalmarketing für effektiv, 2010 hingegen waren es noch 45 Prozent.
Vier von zehn Unternehmen gaben an, dass die genutzten Internet-Stellenanzeigen und die eigene Karrierewebsite effektiv sind. Die Befragten zeigten sich durchaus optimistisch. Laut ihrer Prognose soll sich der Zustand in den kommenden Jahren weiter verbessern. Nahezu alle Befragten Unternehmen prognostizieren einen effektiven Einsatz ihrer Karrierewebsite, ihres Bewerbermanagementsystems und der IT im Personalwesen.

„Viele Unternehmen sind in einem digitalen Tal der Tränen gefangen und stellen fest, es gibt zu wenig und zu schlechte IT im eigenen Haus – und es war und wird wieder besser. Wir haben ein 7-stufiges Reifegradmodell für HR-Digitalisierung entwickelt, das die deutschen Unternehmen aktuell bei 4, also in der Mitte, zeigt. Das bedeutet, es gibt einigermaßen kontrollierbare Prozesse, starke Kosten-, Leistungsschwankungen und eine stetige Suche nach Verbesserungspotentialen. Die nächsten Schritte müssen dann u.a. objektive, quantitativere Ziele und Technochange-Management sein“, sagt Prof. Dr. Tim Weitzel, Studienleiter und Professor am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen, der Universität Bamberg. „Die Digitalisierungschampions, die einen besseren Digitalisierungs-Score haben, sind schon weiter und haben signifikant bessere Bewerbungsprozesse, effektiveres Active Sourcing, besseren Social-Media-Einsatz und einen besseren Employer Brand. Interessanterweise legen Digitalisierungsvorreiter aber auch mehr Wert auf gutes Arbeitsklima und nehmen auch die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter wichtiger.“

Positive Auswirkungen auf den Bewerbungsprozesses

Im Fokus der Digitalisierung steht das Bewerbungsgespräch. An dieser Stelle bietet die Digitalisierung enorme Vorteile, sowohl für Bewerber als auch für Unternehmen. Die Automatisierung der einzelnen Phasen des Bewerbungsprozesses, wie zum Beispiel die Veröffentlichung der Stellenanzeigen, gestaltet sich dadurch deutlich effizienter. Die Reichweite ist nicht nur insgesamt größer, der Zeitaufwand ist auch sehr viel geringer. Das bestätigt auch die Studie: 80 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass durch die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses offene Stellen schneller besetzt werden können. Auch aus Sicht der Kandidaten ist die Jobsuche schneller und passgenauer.

Zukunft des Recruiting

In Sachen Umsetzung scheiden sich die Geister: Während 42 Prozent der Unternehmen angeben, dass die Zukunft der Arbeit für sie agil und flexibel ist, stimmen nur sechs Prozent der Kandidaten dieser Aussage zu. Für sie sind diese Themen keine Zukunftsmusik, sie erwarten jetzt Veränderungen.

„Die Zukunft der Arbeit ist für Unternehmen eine Welt voller agiler, flexibler und selbstbestimmter Arbeit. Die Kandidaten erwarten schon lange eine gute Work-Life-Balance und verbinden mit der Zukunft eigentlich nur Digitalisierung und Automatisierung. Vor allem die Jüngeren haben Angst vor Überforderung und fürchten in allen Jobbereichen, von technikaffinen Kollegen abgehängt zu werden,“ so Prof. Dr. Weitzel. „Unternehmen wie Kandidaten sollten sich klar machen, dass Fortschritt schon immer dazu geführt hat, dass alte Jobs nicht in erster Linie verschwinden, sondern sich verändern und zusätzliche neue Jobs entstehen. Das bedeutet für beide Seiten Veränderung. Das ist lästig, aber auch eine Chance, Gutes noch besser zu machen. Daher sehen eigentlich alle Lernfähigkeit und Lernwilligkeit als die wichtigsten Fähigkeiten – heute und in Zukunft.“

Gurpinder Sekhon
Geschrieben von

Gurpinder Sekhon ist Bachelor of Arts in Global Trade Management und als Junior-Redakteurin zuständig für hochwertigen Content im UnternehmerJournal.

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