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Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit 2020: Prozess der Vereinigung für Unternehmen nicht abgeschlossen

Über vier Jahrzehnte war Deutschland geteilt. Am 3. Oktober jährt sich die Wiedervereinigung zum 30. Mal. Trotzdem gibt es noch Nachwirkungen der jahrelangen Teilung  – in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. 

In dem Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit werden vorwiegend positive Schlüsse gezogen. Allerdings ist auch klar, dass es noch Unterschiede zwischen Ost und West gibt. Laut dem Jahresbericht liegen diese Unterschiede in der „Bewertung der Demokratie und der politischen Institutionen, bei Einstellungen zu etwas Fremdem oder der Verbreitung rechtsextremistischer Orientierungen“.

Die Menschen in Deutschland sind zufriedener als zu jedem anderen Zeitpunkt seit der Wiedervereinigung – das ergaben Umfragen im Rahmen des Jahresberichts. Abgesehen von der aktuellen Krisensituation seien diese Ergebnisse im gesamten Bundesgebiet konstant spür- und messbar gewesen.

Unterschiede zwischen Ost und West

Der Bericht zeigt auch: Der Prozess der Vereinigung Deutschlands ist noch nicht abgeschlossen. Darin heißt es, „dass trotz dieser Erfolge nicht alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen zufrieden sind und der Zuspruch zur Demokratie und den Institutionen in Deutschland in den neuen Ländern heute geringer ist. Die politischen Wertüberzeugungen in den neuen und den alten Ländern sind eines der wenigen Felder, in denen man noch ein unterschiedliches Bild findet.“

Grundsätzlich sei in den östlichen Bundesländern eine höhere Unzufriedenheit zu erkennen. Das zeige sich durch eine in den neuen Ländern skeptische und auch kritische Einstellung gegenüber Politik: „Eine Unzufriedenheit nennenswerter Teile der Bevölkerung, die überall in Deutschland nachweisbar ist, ist in den neuen Ländern nochmals stärker ausgeprägt.“

Hinsichtlich der Wirtschaft sei der Osten immer noch in einem Aufholprozess. Der Bericht verweist auf große Fortschritte, beispielsweise bei der Beschäftigung. Ebenso sei auch die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. „Gleichwohl liegt die Wirtschaftskraft noch erheblich unter dem gesamtdeutschen Niveau und dem der hochentwickelten europäischen Regionen.“ Das zeigt sich zum Beispiel bei dem durchschnittlich verfügbaren Einkommen in den neuen Ländern. Das liege bei rund 86 Prozent des Niveaus der alten Länder. Diese Differenz könne allerdings durch vergleichsweise günstige Preise etwa für Mieten und Bauland ausgeglichen werden.

Regionale Ungleichheiten zeigen sich auch in der Entwicklung der digitalen Infrastruktur. Die Regionen mit einer unterdurchschnittlichen digitalen Infrastruktur liegen laut dem Bericht vor allem in ländlich geprägten Kreisen der Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, aber auch Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. „Von daher sind hier Teile der neuen Länder besonders betroffen, jedoch nicht im Sinne eines Ost-West-Gefälles.“

Einheits-Expo in Potsdam

In Potsdam finden dieses Jahr die Feierlichkeiten zum Jubiläum „30 Jahre Deutsche Einheit“ statt. 30 Tage, also vom 5. September bis zum 4. Oktober, kann in Brandenburg die Einheits-Expo unter freiem Himmel besichtigt werden. Besucher treffen dort unter anderem auf eine Multimediainstallation der Bundesregierung.

Am Samstag hat die vierwöchige Freiluftausstellung begonnen. Eigentlich gebe es an ihrer Stelle ein traditionelles Bürgerfest zum Nationalfeiertag, welches in diesem Jahr jedoch aufgrund der Corona-Pandemie entfällt. „Wir hatten uns das Fest ganz anders vorgestellt“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) als amtierender Bundesratspräsident. „Nun können die Besucher an einem Tag alle 16 Bundesländer besuchen. Angesichts der Pandemie haben wir aus der Corona-Not eine Einheits-Tugend gemacht.“

Die Ausstellung steht unter dem Motto „30 Jahre – 30 Tage – 30 x Deutschland“ und findet dieses Jahr, aufgrund Brandenburgs Vorsitz im Bundesrat, in Potsdam statt. Zwischen dem Luisenplatz und dem Landtag sind bis zum 4. Oktober unzählige Ausstellungspavillons zu finden. Darin finden sich Installationen der 16 Bundesländer, der Bundesregierung und mehr.

Wie meistern deutsche Unternehmen die Vereinigung?

Die Bundesregierung spricht in ihrem Bericht Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit 2020 von einer differenzierten und breit aufgestellten Unternehmenslandschaft:

Das Ergebnis ist heute eine differenzierte und breit aufgestellte Unternehmenslandschaft mit vielen engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern.
Die Zahl an kleinen und mittleren Unternehmen pro Kopf entspricht heute in etwa der Zahl in den alten Ländern. Die Leistungsfähigkeit ist an manchen Stellen noch etwas niedriger. Der Weg an die Spitze braucht Zeit, Geduld und vor allem unternehmerisches Gespür.

Ein besonderer Unterschied in der Unternehmenslandschaft in Deutschland besteht heute vor allem in einem Mangel an großen Unternehmen in den neuen Bundesländern, die besondere strategische Unternehmensfunktionen innehaben. Die meisten Konzernzentralen haben ihre Sitze im Westen des Landes. Dieses Phänomen wird als „Kleinteiligkeit“ der Unternehmenslandschaft der neuen Länder bezeichnet. Darin liegt ein wesentlicher Grund, dass die Wirtschaft in puncto Produktivität und Forschungsaktivitäten im Unternehmenssektor noch zurückbleibt. Großkonzerne lassen sich jedoch weder herbeizaubern noch von oben verordnen. Der weitere Aufholprozess kann daher nur aus den endogenen Kräften erfolgen.

Bemerkenswert ist die Rolle der Unternehmen mit überdurchschnittlich schnellem Wachstum, die in den letzten Jahren entstanden sind. Rund 3.000 mittelständische Unternehmen zählen in den neuen Ländern dazu. Sie sind in den vergangenen sechs Jahren mit mindestens zehn Prozent pro Jahr gewachsen und haben dabei rund die Hälfte aller neuen Arbeitsplätze im privaten Sektor der Wirtschaft geschaffen. Diese Unternehmen tragen maßgeblich zu dem beachtlichen Angleichungsprozess der vergangenen Jahre bei.

Für die Bundesregierung bleibt daher die Stärkung der Wachstumschancen mittelständischer Unternehmen ein zentrales Ziel. Viele Mittelständler in den neuen Ländern haben heute gute Wachstumschancen und das Potenzial, zu großen Mittelständlern oder sogar zu Großunternehmen zu werden und damit langfristig auch das Problem der „Kleinteiligkeit“ zu bewältigen.

 

Weiter äußert sich die Bundesregierung auch zu den Entwicklung der Digitalisierung in deutschen Unternehmen:

“Die Digitalisierung revolutioniert unser Leben und unsere Arbeitswelt in hohem Tempo. Sie geht weit über innovative Technologien hinaus. Neue Geschäftsmodelle und genaue Analysen mittels Datenbanken zählen ebenso dazu wie verbesserte Prozessketten. Mit diesen rasanten Entwicklungen gehen tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen einher. Nach einem Länderranking des Fraunhofer-Instituts für Öffentliche IT rangieren die neuen Länder im Digitalindex 2019 mit Ausnahme von Berlin bislang auf den hinteren Plätzen. Um auch künftig im Wettbewerb mithalten zu können und dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, müssen die Unternehmen die Chancen der Digitalisierung stärker nutzen.“

Das große Deutschland-Quiz

Doch wie viel wissen wir heute tatsächlich über das vereinigte Deutschland? Diese Frage können Sie sich nun im großen Deutschland-Quiz beantworten. Anlässlich des 30. Jahrestags der Deutschen Einheit hat das Statistische Bundesamt ein Quiz mit 30 Fragen erstellt. Thematisiert werden die Bereiche Bevölkerung, Wirtschaft und Infrastruktur Deutschlands.

Gurpinder Sekhon
Geschrieben von

Gurpinder Sekhon ist Bachelor of Arts in Global Trade Management und als Junior-Redakteurin zuständig für hochwertigen Content im UnternehmerJournal.

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